Kfz-Plagiate: Der Handel mit der Gefahr
“Das kann ich doch auch“, denken sich immer mehr Autofahrer und machen sich daran, Schäden am Auto selbst zu reparieren. Dabei bedienen sich die Bastler gern des Internets, um die richtigen Ersatzteile zu finden. Hier kann man Keilriemen, Bremsbeläge und Radkappen zum Teil zu erstaunlich günstigen Preisen bekommen. Das hat allerdings nicht selten den Hintergrund, dass die Ersatzteile gefälscht sind – und das kann gefährliche Konsequenzen haben.
Jeder fünfte Autofahrer hat sich für dieses Jahr vorgenommen, weniger für Reparaturen und Wartungsarbeiten auszugeben. 33 Prozent wollen kleinere Arbeiten am Pkw deshalb lieber gleich selbst ausführen, das ergab eine Umfrage der Kraftfahrzeug-Überwachungsorganisation freiberuflicher Kfz-Sachverständiger (KÜS) und “kfz-betrieb”.
Das Internet als Schnäppchen-Paradies
Um die schadhaften Teile zu ersetzen, gehen die meisten Möchtegern-Mechaniker im Internet auf die Suche: Bei Schlagwörtern wie „Stoßdämpfer BMW“ oder „Kupplung BMW“ findet man schnell einige günstige Angebote und mit ein paar Klicks ist der Kauf abgeschlossen. Denn die Freude darüber, ein Schnäppchen gemacht zu haben, macht viele Tüftler leider unvorsichtig. Denn die zum Teil extremen Tiefstpreise können nur erreicht werden, wenn minderwertige Materialien verarbeitet werden. Und solche Plagiate können nicht nur im Auto noch weitere Schäden anrichten und damit weiter Kosten verursachen, sondern auch Leib und Leben des Fahrers gefährden.
Der Plagiat-Markt wächst
Bundesinnungsmeister und ZDK-Vizepräsident Wilhelm Hülsdonk weiß: „Besonders häufig werden Schnelldreher aus dem Servicesegment als Plagiate angeboten, zum Beispiel Zündkerzen, Antriebsriemen, Öl- und Luftfilter sowie Bremsbeläge. Aber auch minderwertige Spurstangen und Dichtungen sind auf dem Markt zu finden. Auf der automechanika 2006 wurden insgesamt 144 gefälschte Produkte sichergestellt.“ Und die Zahl der im Umlauf befindlichen Fälschungen nimmt zu: Experten schätzen, dass die Plagiat-Händler allein in Deutschland einen hohen dreistelligen Millionenbetrag erwirtschaften.
Tüftler sollten also lieber auf die Qualität als auf den Preis gucken. Bei einem Bremstest mit originalen und gefälschten Bremsbelägen zeigte sich nämlich, dass bei der Leistung gravierende Unterschiede bestehen. So lag die Leistung der Plagiate gut ein Drittel unter denen der Originalbauteile. Bei einer Vollbremsung bei 160 km/h kann so ein Unterschied über Leben und Tod entscheiden. In schlimmsten Fall löst sich der Belag bei hoher Belastung sogar teilweise oder ganz von den Trägern – die Bremswirkung ist dann schlagartig gar nicht mehr vorhanden.
Billig kann ganz schön teuer werden
Auch andere vermeintlich günstige Zubehörteile, die dem ersten Anschein nach kein so hohes Gefahrenpotenzial bergen, sollten nicht vorschnell gekauft werden. So stellte sich heraus, dass Kopien von Scheinwerfern eines großen Autoherstellers viel zu hell waren und andere Fahrer stark blendeten. Zudem wurden die Bauteile so heiß, dass sie begannen zu schmoren und plötzlich ausfielen.
Deshalb ist es auch Pfennigfuchsern nur anzuraten, ein bisschen weniger stark auf das Geld zu schielen und dafür mehr Sicherheit einzukaufen. Denn das zahlt sich einfach aus. Wer dennoch glaubt über eine gute Quelle zu verfügen und qualitativ hochwertige Ersatzteile günstig beziehen zu können, sollte auch dabei auf Nummer sicher gehen. Eine Möglichkeit ist z.B., selbst eingekaufte Keilriemen & Co. bei der Werkstatt des Vertrauens verbauen zu lassen. Damit vermeidet man nicht nur Einbaufehler, sondern die Profis erkennen auch schnell, ob es sich um vertrauenswürdige Ware handelt.
Gute Zeiten für freie Werkstätten
Die Chancen, dass Werkstätten demnächst etwas günstiger arbeiten, stehen indes gar nicht schlecht. Denn eine Reform aus Brüssel, die seit dem 01. Juni in Kraft getreten ist, erhöht durch die Gruppenfreistellungsverordnung demnächst den Wettbewerb unter den Anbietern. Dadurch wird freien Werkstätten den Zugang zu Reparaturinformationen und alternativen Ersatzteilen erleichtert. Und die günstigeren Einkaufspreise geben die dann hoffentlich an die Kunden weiter.